Im Grundriss steht eine Zahl: 10 m². Sie sagt dir nicht, ob du die Tür zubekommst, wenn jemand vor dem Waschtisch steht. Denn ein Bad wird nicht von der Keramik bestimmt, sondern von dem, was davor frei bleiben muss – und im Dachgeschoss von etwas, das im Grundriss überhaupt nicht zu sehen ist: der Höhe.
Ein Hauptbad mit Wanne und Dusche funktioniert in unseren Projekten ab etwa 10 m² – aber nur, wenn der Zuschnitt stimmt. Entscheidend ist nicht die Fläche, sondern die Tiefe vor jedem Objekt: vor dem Waschtisch rund 100 bis 145 cm ab Wand, vor dem WC 120 bis 135 cm, vor der Dusche 130 bis 175 cm, vor der Wanne 120 bis 150 cm – jeweils inklusive des Objekts selbst. Eine Dusche bauen wir mindestens 90 × 100 cm, nicht 80 × 80. Im Dachbad ist nicht die Fläche knapp, sondern die Stehhöhe: Vor dem WC planen wir 2,00 m lichte Höhe an der Stelle, wo man davor steht – nicht nur über dem Sitz. Die Dusche mit Kopfbrause will 2,20 bis 2,30 m, die Wanne kommt mit weit weniger aus und gehört deshalb unter die Schräge. Maßgeblich für Wohnungsbäder ist heute die VDI 6000 Blatt 2 (Ausgabe Juli 2024); die frühere DIN 18022 wurde ersatzlos gestrichen. Alle Zahlen hier sind Planungsrichtwerte, keine verbindliche Norm – maßgeblich sind dein Grundriss und die gewählten Produkte.
Ein WC ist etwa 40 cm breit. Ein Waschtisch belegt 60 cm Wand. Eine Dusche passt auf weniger als einen Quadratmeter. Addiert man das, kommt man auf eine beeindruckend kleine Zahl – und auf ein Bad, in dem man sich nicht bücken kann. Denn die Planung eines Sanitärraums fängt dort an, wo die Keramik aufhört.
Die Fachwelt unterscheidet deshalb drei Flächen. Die Stellfläche ist der Platz, den das Objekt selbst braucht – das, was im Grundriss eingezeichnet wird. Die Bewegungsfläche ist der Platz, den man braucht, um es zu benutzen: sich vor den Waschtisch stellen, sich aufs WC setzen und wieder aufstehen, in die Dusche ein- und aussteigen. Und die Verkehrsfläche ist der Weg durch den Raum, über den man die Objekte überhaupt erreicht.
Nur die erste steht im Plan. Die anderen beiden entscheiden darüber, ob das Bad funktioniert. Deshalb können zwei Bäder mit jeweils 10 m² völlig unterschiedlich ausfallen: Ein fast quadratischer Raum von etwa 3,20 × 3,10 m lässt sich bequem möblieren, ein langer schmaler Schlauch mit derselben Fläche zwingt alles an eine Wand – und die Tür, die nach innen aufschlägt, frisst noch einmal einen ordentlichen Teil davon.
Wer nach Badmaßen sucht, findet Widersprüche. „Vor dem WC 75 cm" steht neben „vor dem WC 135 cm". Beides stimmt. Die Zahlen messen nur von verschiedenen Punkten.
Der kleinere Wert ist die reine Bewegungsfläche vor der Keramik. Der größere ist die Tiefe ab der Installationswand – da ist das WC mit seinen rund 60 cm Tiefe schon mitgezählt. 60 plus 75 ergibt 135. Es ist dasselbe Bad, nur ein anderes Bandmaß.
Für die Arbeit am Grundriss ist das zweite Maß das nützlichere, weil man es direkt von der Wand aus abtragen kann. Genau so steht es in der Tabelle weiter unten. Wer dagegen mit einem Sanitärplaner spricht, hört eher die erste Sorte Zahlen – es lohnt sich, einmal nachzufragen, von wo gemessen wird.
Links, was das Objekt selbst belegt. Rechts, wie tief der Raum an dieser Stelle sein muss – Objekt plus Bewegungsfläche.
| Objekt | Stellfläche | Tiefe ab Wand |
|---|---|---|
| Einzelwaschtisch | ab 60 × 55 cm | 100–145 cm |
| Doppelwaschtisch | ab 120 × 55 cm | 100–145 cm – bei 120 cm Breite wird es zu zweit eng, besser ab 140 cm |
| WC (Wandeinbauspülkasten) | 40 × 60 cm | 120–135 cm + seitlich mind. 20 cm bis Wand oder Nachbarobjekt |
| Dusche | bei uns min. 90 × 100 cm (Tabellenmaß wäre 80 × 80) | 130–175 cm |
| Badewanne | ab 170 × 75 cm | 120–150 cm – neben einer Einbauwanne mind. 55 cm, angenehm sind 105 cm |
| Waschmaschine / Trockner | je 60 × 60 cm | + Platz für die Anschlüsse hinten |
| Hauptbad mit Wanne und Dusche | ab ca. 10 m² – darunter muss eines von beiden weichen | |
Alle drei sieht man im Grundriss nicht. Alle drei merkt man am ersten Tag.
Hinter einem wandhängenden WC sitzen Spülkasten, Zu- und Abwasser und der Tragrahmen. Das sind schnell 15 bis 20 cm, die dem Raum in der Tiefe fehlen. Wird die Vorwand erst beim Sanitärplaner zum Thema, ist der Grundriss schon gezeichnet – und die Anordnung kippt. Sie gehört von Anfang an in den Plan, nicht nachträglich davorgesetzt.
Ein Türblatt von 80 cm überstreicht beim Öffnen gut einen halben Quadratmeter – und zwar meist genau den, den man vor dem Waschtisch braucht. In kleinen Bädern entscheidet der Anschlag darüber, ob der Grundriss aufgeht. Eine nach außen öffnende Tür oder eine Schiebetür löst das, muss aber im Rohbau bekannt sein.
Im Dachbad wandert die Dusche gern in die Ecke, weil dort „noch Platz ist". Mit einer Kopfbrause braucht sie aber 2,20 bis 2,30 m Stehhöhe – also den höchsten Bereich des Raums. Die Wanne dagegen kommt mit sehr viel weniger aus, weil man darin liegt. Wer beide vertauscht, hat zwei unbenutzbare Objekte statt zweier guter.
Viele Bäder liegen im Obergeschoss, und dort steht die Dachschräge mit im Raum. Das verändert die Planung grundlegend: Fläche ist meist genug da. Was fehlt, ist Stehhöhe – und zwar an genau den Stellen, an denen man sie braucht.
Denn jedes Objekt stellt eine andere Anforderung. Eine Dusche mit Regenbrause will 2,20 bis 2,30 m. Vor dem Waschtisch steht man aufrecht und sieht in den Spiegel, hier gilt praktisch dasselbe. Die Badewanne dagegen nutzt man liegend – sie darf weit unter die Schräge rücken, solange der Einstieg frei bleibt. Auf diese Weise wird aus einem vermeintlich schwierigen Raum ein sehr guter.
Beim WC steht in vielen Ratgebern, über der Sitzposition genügten 1,45 bis 1,55 m lichte Höhe. Das stimmt fürs Sitzen. Es stimmt nicht fürs Aufstehen.
Wir planen deshalb 2,00 m lichte Höhe an der Stelle, an der man vor dem WC steht. Wer sich hinsetzt, steht vorher davor – und richtet sich danach wieder auf. Genau dort stößt man an eine Schräge, die nach der Sitzhöhe bemessen wurde. Diese Stelle liegt rund 60 cm vor der Keramik, und sie gehört beim Schnitt durchs Dach nachgemessen, nicht geschätzt.
In unseren Dachbädern setzen wir deshalb oft eine raumhohe Vorwand frei in den Raum, statt alles an die Außenwände zu hängen. Das ist kein Gestaltungseinfall, sondern eine Konstruktion mit mehreren Aufgaben gleichzeitig.
Auf der einen Seite trägt sie Waschtisch, Spiegel, Armaturen und WC – alles wandhängend, alles mit den Leitungen im Inneren. Auf der Rückseite entsteht ein eigener Bereich für die Dusche, abgeschirmt vom Rest des Raums. Und weil die Wand mitten im Raum steht, steht sie dort, wo die volle Höhe ist: Waschen und Duschen passieren im hohen Bereich, während die Wanne frei unter die Schräge rücken darf, direkt unters Dachfenster. Die Fläche unter der Schräge, die sonst ungenutzt bliebe, wird zur schönsten des Raums.
Der Preis dafür: Diese Wand muss im Rohbau bekannt sein. Sie braucht ein Fundament im Estrichaufbau oder eine Verankerung in der Decke, die Abwasserleitung muss an der richtigen Stelle aus dem Boden kommen, und der Estrich wird um sie herum eingebracht. Nachträglich ist das ein Umbau, kein Detail.
Drei Entscheidungen im Bad fallen vor dem Estrich und sind danach nur noch mit großem Aufwand zu ändern. Erstens die bodengleiche Dusche: Der Ablauf braucht Aufbauhöhe, und die ist im Estrich vorzuhalten – im Neubau meist kein Problem, aber eben nur, wenn es vorher bekannt ist. Zweitens die Position jeder Vorwand, weil Abwasser und Zuleitung dort aus Boden oder Wand kommen müssen. Drittens die Elektroplanung: Spots vor den Spiegel statt in die Raummitte, Steckdose am Waschtisch, Anschluss für einen Handtuchheizkörper, und – falls gewünscht – die Leitung fürs Dusch-WC, die man später nicht mehr sauber nachzieht.
Ein Hauptbad mit Badewanne und separater Dusche funktioniert in unseren Projekten ab etwa 10 Quadratmetern. Darunter muss in aller Regel eines von beiden weichen. Entscheidend ist aber nicht die Fläche allein, sondern der Zuschnitt: Zwei Bäder mit jeweils 10 Quadratmetern können völlig unterschiedlich funktionieren, je nachdem ob der Raum annähernd quadratisch oder lang und schmal ist, wo die Tür sitzt und wohin sie aufschlägt. Ein Gäste-WC kommt mit 1,5 bis 2,5 Quadratmetern aus. Die Angaben sind Planungsrichtwerte aus unserer Praxis, keine Norm.
Am einfachsten rechnet man die Tiefe ab der Installationswand, weil das Objekt dann schon mitgezählt ist. Vor einem Waschtisch sind das rund 100 bis 145 Zentimeter, vor dem WC 120 bis 135, vor einer Dusche 130 bis 175 und vor einer Badewanne 120 bis 150 Zentimeter. Seitlich vom WC sollten mindestens 20 Zentimeter bis zur Wand oder zum nächsten Objekt frei bleiben, neben einer Einbauwanne mindestens 55 Zentimeter. Im Netz kursieren zu denselben Situationen kleinere Zahlen, etwa 75 Zentimeter vor dem WC. Diese messen die reine Bewegungsfläche vor der Keramik, ohne das Objekt selbst. Es lohnt sich deshalb, bei jeder Maßangabe zu klären, von wo gemessen wird.
Die frühere DIN 18022, die Bewegungsflächen in Bädern geregelt hat, wurde ersatzlos gestrichen. Maßgeblich für Sanitärräume in Wohnungen ist heute die Richtlinienreihe VDI 6000, seit Juli 2024 neu strukturiert: Blatt 1 enthält die Grundlagen, Blatt 2 die Anforderungen für Wohnungen und Hotelzimmer, und Blatt 2 ist nur zusammen mit Blatt 1 anzuwenden. Koordinationsmaße für Badmöbel und Sanitärobjekte stehen in der DIN 68935. VDI-Richtlinien sind keine Gesetze, gelten aber als anerkannte Regeln der Technik. Praktisch heißt das: Ist im Vertrag nichts anderes vereinbart, darf ein Bauherr erwarten, dass die üblichen Bewegungsflächen eingehalten werden. Wer davon abweicht, sollte das begründen und schriftlich festhalten. Barrierefreie Bäder richten sich eigenständig nach der DIN 18040-2 und brauchen deutlich größere Bewegungsflächen.
Nach Höhen, nicht nach Flächen. Jedes Objekt stellt eine andere Anforderung an die lichte Höhe. Eine Dusche mit Kopfbrause braucht 2,20 bis 2,30 Meter und gehört deshalb in den höchsten Bereich des Raums. Vor dem Waschtisch steht man aufrecht vor dem Spiegel, hier gilt praktisch dasselbe. Die Badewanne dagegen nutzt man liegend und kann sie weit unter die Schräge rücken, solange der Einstieg frei bleibt. Beim WC wird häufig mit 1,45 bis 1,55 Metern über der Sitzposition gerechnet. Wir planen dort 2,00 Meter lichte Höhe an der Stelle, an der man vor dem WC steht, denn man setzt sich im Stehen hin und richtet sich danach wieder auf. Diese Stelle liegt rund 60 Zentimeter vor der Keramik.
Sie löst im Dachgeschoss mehrere Probleme auf einmal. Eine raumhohe Vorwand, die frei im Raum steht, trägt auf der einen Seite Waschtisch, Spiegel und WC mit allen Leitungen im Inneren und schirmt auf der Rückseite die Dusche ab. Weil sie mitten im Raum steht, liegen Waschen und Duschen im Bereich mit voller Stehhöhe, während die Badewanne frei unter die Dachschräge rücken darf, oft direkt unter ein Dachflächenfenster. So wird genau die Fläche nutzbar, die sonst verschenkt wird. Voraussetzung ist, dass die Wand im Rohbau bekannt ist: Sie muss gegründet oder verankert werden, und Abwasser und Zuleitungen müssen an der richtigen Stelle liegen, bevor der Estrich eingebracht wird.
Vor allem drei. Die bodengleiche Dusche, weil der Ablauf Aufbauhöhe im Estrich braucht. Die Position jeder Vorwand, weil Abwasser und Zuleitung dort aus Boden oder Wand kommen müssen. Und die Elektroplanung, also Spots vor dem Spiegel statt in der Raummitte, Steckdose am Waschtisch, Anschluss für einen Handtuchheizkörper und gegebenenfalls die Leitung für ein Dusch-WC. Alles drei lässt sich später nur mit erheblichem Aufwand nachholen, während es im Rohbau fast nichts kostet. Deshalb sprechen wir diese Punkte im Erstgespräch an und nicht erst beim Sanitärplaner.
Im kostenlosen Erstgespräch legen wir das Bandmaß an deinen Entwurf – auch an die Stellen, die im Plan nicht eingezeichnet sind: Bewegungsflächen, Vorwände, Stehhöhe unter der Schräge. Persönlich von Ralf Schmitz oder Stefan Eufinger. Oder hol dir vorab unseren Gratis-Bauherren-Report mit den 7 teuersten Planungsfehlern.